SOS

Für Angehörige und Freunde

Helfen Sie suizidgefährdeten Menschen in Ihrem Umfeld

Der Kontakt mit einem suizidgefährdeten Menschen bringt Nahestehende in eine sehr schwierige und belastende Situation und kann zu Gefühlen wie zum Beispiel Hilflosigkeit und Wut führen. Dadurch, dass das Thema Suizid gesellschaftlich tabuisiert wird, fällt es uns oft schwer, mit anderen über die eigene Situation und die Gedanken und Gefühle, die damit verbunden sind, zu sprechen.

Dadurch, dass Sie hier auf dieser Website sind, haben Sie einen wichtigen Schritt getan, um sich näher zu informieren. Im Folgenden haben wir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Suizidalität für Sie gesammelt und beantwortet. Damit möchten wir Ihnen helfen, Unsicherheiten im Umgang mit der betroffenen Person abzubauen.

Ist es gefährlich, eine suizidgefährdete Person auf ihr Leiden und ihre Suizidgedanken anzusprechen? Kann ich dadurch suizidale Handlungen auslösen?

Eine suizidale Handlung wird nicht durch das Gespräch über die Suizidgedanken angestoßen werden! Im Gegenteil – darüber zu sprechen und das Thema nicht zu ignorieren, ist in einer solchen Situation sogar sehr wichtig. Es vermittelt dem Betroffenen das Gefühl, in seinem Leiden ernstgenommen zu werden und es kann ihm möglicherweise dabei helfen, Spannungen und negative Gefühle zu reduzieren.

Muss ich es ernst nehmen, wenn jemand über Suizid spricht?  Besteht wirklich die Gefahr, dass er oder sie sich das Leben nimmt?

Auf jeden Fall! Wenn ein Mensch darüber spricht, nicht mehr leben zu wollen, sollte dies immer ernstgenommen und angesprochen werden. Die Einschätzung der tatsächlichen Gefährdung sollte durch Fachleute erfolgen. Motivieren Sie den Betroffenen also, sich professionelle Hilfe zu suchen oder wenden Sie sich selbst an eine Beratungsstelle.

Leider gibt es immer noch eine Art „Mythos“, dass Menschen, die über ihre Suizidgedanken sprechen, „nur Aufmerksamkeit erregen wollen“ und dass sie deshalb nicht wirklich gefährdet sind. Es mag vereinzelte Fälle geben, in denen Menschen ihren Angehörigen oder Freunde mit Suizid drohen, um etwas zu erzwingen oder sie zu verletzen. Dies sind aber Ausnahmen: Direkte Ankündigungen kommen in bis zu 75% der Suizide im Vorfeld von suizidalen Handlungen vor! Es können aber auch indirekte Hinweise in Form von sprachlichen Aussagen, Verhaltensweisen oder auch körperlichen und psychischen Beschwerden auftreten.

Kann und darf ich überhaupt jemanden davon abhalten, sich das Leben zu nehmen?

Suizidgefährdete Menschen sind häufig hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu sterben und dem Wunsch zu leben. Den Ausweg im Suizid suchen sie nicht, weil sie sterben möchten, sondern um das für sie unerträglich erscheinende (psychische) Leiden zu beenden.

Suizidabsichten entstehen in der Regel nicht aus der „freien Entscheidung“ heraus. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Wahrnehmung eines Menschen, der in eine psychische Krise geraten ist, verändert und eingeengt ist. Auch die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit ist dadurch eingeschränkt.

Mit entsprechender Hilfe und Unterstützung gelingt es den Betroffenen in der Regel, für sich neue Lösungen und Perspektiven zu finden.

Sie selbst können als Angehöriger, Freund oder Kollege die Probleme, die eine suizidgefährdete Person hat, nicht lösen. Aber sie können das Suizidrisiko verringern, indem sie zuhören und dazu motivieren sich Hilfe zu suchen.

Was kann ich tun?

Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich eine Ihnen nahestehende Person in den nächsten Minuten oder Stunden etwas antun könnte, sollten Sie diesen Menschen nicht alleine lassen. Bitten Sie gegebenenfalls andere Menschen aus Ihrem Umfeld um Hilfe und beziehen Sie im nächsten Schritt unbedingt professionelle Hilfe (Wo finde ich Hilfe) mit ein.

Handelt es sich eher um eine vage Vermutung oder um eine Lebensmüdigkeit ohne akuten Handlungsdruck sprechen Sie mit der Person und erklären Sie ihr, weshalb Sie besorgt sind. Suchen Sie aktiv das Gespräch. Sie zeigen dem Betroffenen damit, dass er von Ihnen ernst genommen und wertgeschätzt wird.

Psychisch belastete Menschen reagieren häufig sehr sensibel auf negative Stimmungen, wie Anspannung oder Ungeduld. Nehmen Sie sich daher Zeit für das Gespräch. Sie können für eine entspannte Umgebung sorgen, indem Sie die Person zum Beispiel zu einem Spaziergang einladen.

Wegen des Hin- und hergerissen Seins zwischen leben und sterben wollen, ist es für den Betroffenen im Moment nicht hilfreich, sich mit Ihren Gedanken oder Ihrer Einstellung zum Thema Suizid auseinanderzusetzen. Sie sollten darauf achten, die Suizidgedanken nicht zu verurteilen („Aber das ist doch kein Grund …“) und ebenso keinen moralischen Druck auszuüben („Denk doch an deine Familie! Was würden sie …“). Hören Sie ihrem Gegenüber stattdessen aufmerksam zu und versuchen Sie zu verstehen, was die andere Person gerade fühlt.

Bieten Sie nach einem ersten Gespräch in regelmäßigen Abständen weitere Gespräche an. Sprechen Sie die Suizidgedanken an, wenn der Betroffene nicht selbst darüber zu sprechen beginnt. Ermutigen Sie ihn dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dazu können Sie sich selbst vorher über entsprechende Angebote informieren. Versuchen Sie, Angebote zu machen, ohne viel Druck auf den betroffenen Menschen auszuüben. Geben Sie der Person zu verstehen, dass es keine Schande ist, sich Hilfe zu suchen und klären Sie sie über mögliche Irrtümer auf, die mit dem Aufsuchen einer professionellen Hilfeeinrichtung verbunden sind.

Was sollte ich noch beachten?

Wenn Sie näheren Kontakt zu einem Menschen haben, der nicht mehr leben möchte und ihn zu unterstützen versuchen, machen Sie sich bewusst, dass dies eine sehr schwierige Aufgabe für Sie selbst ist. Die Konfrontation mit der Situation kann für Sie möglicherweise eine große emotionale Belastung darstellen. Es besteht das Risiko, dass Sie als Helfer selbst in eine psychische Krise geraten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Belastung, die für Sie als Angehöriger, Freund oder Kollege besteht, wahr- und ernstnehmen. Achten Sie bei sich selbst auf mögliche Anzeichen von Erschöpfung, wie zum Beispiel Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen oder Kopfschmerzen und suchen Sie das Gespräch mit anderen Menschen – bleiben Sie mit ihren negativen Gefühlen nicht allein. Sie sind möglicherweise ein wichtiger Bestandteil im Helfernetz für den Gefährdeten, aber Sie können die Person nur dann unterstützen, wenn Sie selbst gesund bleiben und über die Kraft verfügen, der Person zur Seite zu stehen.

Sie können sich jederzeit Rat bei einer Fachperson einholen, die der Schweigepflicht untersteht und die Sie als außenstehende und unabhängige Person möglicherweise kompetenter beraten und Sie bei der Bewältigung unterstützen kann als Menschen aus Ihrem privaten Umfeld.

In dem Flyer “Wenn Menschen nicht mehr leben möchen. Informationen zum Umgang mit Suizidalität” finden Sie einige Hinweise nochmals kompakt zusammengefasst.

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